Warum ich auf meinem Schulnotebook auf GNOME setze

Warum ich auf meinem Schulnotebook auf GNOME setze

Schon seit einigen Jahren arbeite ich auf meinem Schulnotebook mit Linux statt mit Windows. Ich schätze vor allem die Stabilität, die gute Performance und die Kontrolle über mein System. Für mich ist Linux heute ein Arbeitswerkzeug, das zuverlässig funktioniert und mich im Unterricht sowie bei der Unterrichtsvorbereitung unterstützt.

Die Frage ist für mich deshalb längst nicht mehr, ob ich Linux nutze, sondern welche Desktop-Umgebung am besten zu meinem Arbeitsalltag passt. Vor einigen Jahren hätte ich wahrscheinlich sofort KDE empfohlen. Schließlich bietet kaum eine andere Desktop-Umgebung so viele Möglichkeiten, das System bis ins kleinste Detail an die eigenen Vorstellungen anzupassen. Ich habe unzählige Stunden damit verbracht, Einstellungen auszuprobieren, Widgets zu testen und den Desktop immer weiter zu optimieren.

Heute sehe ich das anders. Je mehr Verantwortung im Alltag dazukam – Studium, Unterrichtsvorbereitung, Schulhomepage und viele kleine Projekte –, desto weniger wollte ich mich mit meinem Betriebssystem beschäftigen. Ich wollte ein Notebook aufklappen und arbeiten. Ohne nachzudenken. Ohne ständig das Gefühl zu haben, noch irgendwo etwas verbessern oder anpassen zu können.

Irgendwann bin ich über einen Gedanken gestolpert, der mich bis heute begleitet: Ein Betriebssystem sollte so gestaltet sein, dass man möglichst wenig daran verändern muss.

Seitdem verstehe ich, warum mich GNOME so überzeugt: Die Entwickler treffen viele Entscheidungen bewusst. Die Oberfläche wirkt ruhig und aufgeräumt, Funktionen befinden sich an den Stellen, an denen ich sie erwarte, und vieles, was im Alltag keine Rolle spielt, bleibt verborgen. Manche kritisieren genau das. Für mich ist es einer der größten Vorteile.

GNOME verschwindet im Hintergrund. Und genau dort gehört ein Betriebssystem für mich hin.

Während KDE nahezu jede Einstellung offenlegt, verfolgt GNOME einen anderen Ansatz. Es nimmt dem Nutzer Entscheidungen ab. Das klingt zunächst nach einer Einschränkung, empfinde ich im Alltag jedoch als Erleichterung. Ich muss mich nicht fragen, welche von zehn Möglichkeiten die richtige ist. Stattdessen kann ich mich auf die eigentliche Arbeit konzentrieren.

Auch bei den Programmen halte ich es inzwischen möglichst schlicht. Viele Anwendungen stammen aus der GTK-Welt und fügen sich deshalb harmonisch in die Oberfläche ein. Für kurze Markdown-Notizen nutze ich beispielsweise Apostrophe. Größere Projekte verwalte ich in Obsidian, Aufgaben landen in Todoist. Dass sich diese Programme bequem über Flatpak installieren lassen, ist für mich ein weiterer Pluspunkt. Selbst proprietäre Software lässt sich damit unkompliziert einbinden, ohne dass ich mich um unterschiedliche Paketquellen kümmern muss.

Mindestens genauso wichtig wie die Programme ist für mich die Organisation meiner Dateien. Viele Nextcloud-Nutzer arbeiten mit einem einzigen Synchronisationsordner. Ich habe mich bewusst dagegen entschieden. Stattdessen synchronisiert Nextcloud direkt meine bestehenden Standardordner.

Mein Ordner Dokumente wird mit dem Ordner Dokumente auf meiner Nextcloud synchronisiert. Dasselbe gilt für Bilder, Downloads und weitere Verzeichnisse. Ich muss meine Arbeitsweise nicht an die Cloud anpassen. Die Cloud passt sich meiner Arbeitsweise an.

Alle Dateien liegen dort, wo ich sie erwarte – unabhängig davon, ob ich lokal arbeite oder von unterwegs darauf zugreife. Sollte mein Notebook einmal verloren gehen oder kaputtgehen, sind meine Daten weiterhin verfügbar und lassen sich auf einem neuen Gerät wiederherstellen.

Auch beim Thema Sicherheit wollte ich keine Kompromisse eingehen. Die Festplatte meines Notebooks ist vollständig verschlüsselt. Meine Passwörter verwalte ich mit 1Password, sodass sämtliche Zugangsdaten verschlüsselt gespeichert werden und ich keine Passwörter mehrfach verwenden muss. Gleichzeitig erfüllt das Notebook damit die Sicherheitsvorgaben meines Arbeitgebers für dienstlich genutzte Geräte.

Je länger ich Linux nutze, desto mehr verändert sich mein Blick auf das Betriebssystem.

Früher faszinierte mich die Freiheit, jede Kleinigkeit verändern zu können. Heute schätze ich Systeme, die gute Entscheidungen bereits getroffen haben. Systeme, die mich nicht ständig zum Konfigurieren einladen, sondern mich einfach arbeiten lassen.

Vielleicht ist genau das die größte Stärke von GNOME. Es versucht nicht, im Mittelpunkt zu stehen. Es möchte keine Aufmerksamkeit, sondern es möchte einfach funktionieren.

Und genau deshalb ist es heute die Desktop-Umgebung, mit der ich am produktivsten arbeite.