Wandern mit Velvia

Ein spontaner Wandertag zwischen Rostock und Papendorf, geprägt von Frühsommerlicht, weitem Grün und der Suche nach besonderen Motiven.

Wandern mit Velvia
Unterwegs zwischen Rostock und irgendwo mitten im Mai.

Im Mai zeigt sich Mecklenburg-Vorpommern von seiner schönsten Seite. Wenn wir mit dem Auto zur Arbeit fahren, eine Fahrgemeinschaft engagierter Lehrkräfte, dann führt es uns quer durch dieses Land. Im Winter ist dies eine eher trostlose Strecke, und im schlimmsten Fall fährt man im Dunkeln los und kommt auch erst bei Dunkelheit wieder zurück nach Hause. Nicht so im Mai: Das dünn besiedelte Land ist durchzogen von einem farbenfrohen Gelb der Rapsfelder und satten, grünen Hügeln. Irgendwann hat sich die Regierung mal das Motto »MV tut gut« auf die Fahnen geschrieben – zugegeben ein plumpes Motto –, aber auf diese Weise hält es sein Versprechen: Es ist atemberaubend schön.

Schon länger brannte es mir auf den Nägeln, dieses Motiv mit meiner Kamera einzufangen. Aber ohne Führerschein sind die doch ländlichen Seiten des Landes eher beschwerlich zu erreichen. Man könnte einen Bus nehmen, einige Minuten Bilder schießen und dann im Idealfall eine Stunde auf den nächsten Bus warten. An Pfingsten 2026 hatten wir besonders schönes Wetter, das von heißen Temperaturen, Sonnenschein und einem wolkenlosen Himmel gekennzeichnet war. So bastelte ich mir im Internet eine Wanderroute zusammen und begab mich in die nächste Bahn und fuhr in das von Rostock etwa 10 km entfernte Papendorf. Unscheinbar begrüßte mich der Bahnhof, der nicht mal einen vernünftigen Bahnsteig vorweisen kann. Zu sehen waren lediglich Erde und Gras als ein Zeichen davon, dass die Natur bereits dabei war, sich diesen Ort zurückzuerobern.

Der Weg führte mich durch das Tal. Reine Natur, hier und da kamen mir Fahrradfahrer oder andere Wanderer entgegen. Immer wieder blieb ich stehen, um Bilder zu schießen. Dabei spielte ich mit den Funktionen meiner Kamera. Die Fujifilm X-T50 ist bekannt für ihre Filmsimulationen. Als etwa 2004 die digitalen Kameras Einzug hielten, erfreute sich der reine digitale Look großer Beliebtheit. Gestochen scharfe Bilder mit natürlichen Farben, doch die Ingenieure hinter Fujifilm erkannten recht zeitig, dass der Wunsch alter analoger Filme größer wurde. Bei analogen Filmen verhält es sich nämlich so, dass jede Filmsorte einen eigenen, unverwechselbaren Look mit sich brachte. Ein solcher analoger Film wurde für eines der berühmtesten Bilder unserer Zeit genutzt: Das Hintergrundbild vom Microsoft-Betriebssystem »Windows XP« wurde mit einem Film namens Velvia von Fujifilm geschossen. Dieser Film zeichnete sich durch besonders gesättigte Farben aus. Der Fotograf schwört deshalb darauf, dass sein berühmtes Bild, das er an Microsoft verkaufte, digital nicht nachbereitet wurde. Genau diese Eigenarten analoger Filme reproduzierte Fujifilm von seinen eigenen analogen Filmen für ihre digitalen Kameras – herausgekommen sind die sogenannten Filmsimulationen. Meine X-T50 hat genau 20 davon.

Seit über einem Jahr bin ich mit meiner Kamera unterwegs und ich habe mittlerweile das Gefühl, das Gerät gebändigt zu haben. Noch sitzen nicht alle Handgriffe, aber im Großen und Ganzen kann ich damit schöne Aufnahmen machen. Der Weg führte mich zu einer grünen Hügelkette. Ich muss nicht lange überlegen, stellte meine Kamera auf die Filmsimulation Velvia um und konnte folgendes Motiv einfangen:

Fujifilm XT-50 mit Viltrox 35mm f/1.7 (ISO 500 · f/8 · 1/1000s · +0.3 ev)

Die Bedingungen waren einfach perfekt: Sonnenschein, klarer Himmel und die Sonne von hinten. Und man merkt, dass die Filmsimulation Velvia hier den Look der Windows-XP-Wiese perfekt imitiert. Hinzu kommt, dass keines der Bilder in diesem Beitrag nachbearbeitet wurde (mit Ausnahme der Bildgröße; 50 MB pro Foto sind für diesen Blog völlig überdimensioniert).

Es hat mich übrigens ein wenig Überwindung gekostet, diese Wanderung überhaupt anzutreten. Einerseits wollte ich nicht die Pfingstferien ausschließlich daheim verbringen, andererseits war da ein wenig die Angst vor dem Unbekannten. Die Strecke war mir überhaupt nicht geläufig und die Wanderung war nur auf gut Glück geplant. Letzten Endes konnte man die Strecke wunderbar ablaufen, insgesamt 9,4 km am Stück mit einem Zwischenstopp in der Kirche. Ich bin froh, dass ich die Wanderung angetreten bin, ansonsten hätte ich nicht so viele schöne Aufnahmen machen können. Denn: Manche Motive findet man nicht auf Reisen ans andere Ende der Welt, sondern direkt vor der eigenen Haustür.